FAQs

1. Warum brauchen wir einen Betriebsarzt, bzw. einen arbeitsmedizinsichen Dienst ?

Ärzte oder Ärztinnen haben in erster Linie gelernt, wie Krankheiten diagnostiziert und geheilt werden können. Wer erkrankt ist, sucht seinen Arzt auf mit der Erwartung geheilt und wieder gesund zu werden. Im Betrieb bezieht sich die ärztliche Diagnostik auf die Analyse von Arbeitsbedingungen – sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht – und ihrer Auswirkungen auf den Menschen. Arbeitsmediziner gehen deshalb aktiv zu den Menschen an ihren Arbeitsplätzen.

Die „Therapie“ besteht im Veranlassen von Veränderungen oder Problemlösungen, also in der Beratung der Betriebe für Veränderungen von Arbeitsbedingungen und in der Beratung der Arbeitnehmer hinsichtlich gesünderer und sicherer Lebens- und Arbeitsweisen. Arbeitsmediziner müssen deshalb sehr offen gegenüber auch nichtärztlichen Themen sein, was zu Beginn einer Tätigkeit in einem neuen Betrieb oft schwierig ist. Je größer die Erfahrung wird und je mehr Vertrauen man sich im Unternehmen erarbeitet hat, umso erfolgreicher kann der Betriebsarzt zu Verbesserungen in der Arbeitswelt beitragen. Die grundlegenden Tätigkeiten und Aufgaben der Arbeitsmediziner sind im Arbeitschutzgesetz, im Arbeitssicherheitsgesetz und der DGUV Vorschrift 2 beschrieben.

2. Was ist arbeitsmedizinische Vorsorge ?

Die Inhalte der arbeitsmedizinischen Vorsorge sind in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt. Arbeitsmedizinische Vorsorge umfasst die Beurteilung der individuellen Wechselwirkungen von Arbeit und Gesundheit, die individuelle arbeitsmedizinische Aufklärung und Beratung der Beschäftigten, ein ärztliches Beratungsgespräch mit Anamnese einschließlich Arbeitsanamnese und gegebenenfalls körperliche oder klinische Untersuchungen sowie die Nutzung von Erkenntnissen aus der Vorsorge für die Gefährdungsbeurteilung und für sonstige Maßnahmen des Arbeitsschutzes. Arbeitsmedizinische Vorsorge ist eine individuelle Arbeitsschutzmaßnahme, die die vorrangig zu treffenden technischen und organisatorischen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten flankiert und ergänzt.

3. Erfahren mein Chef oder die Personalabteilung meine Untersuchungsergebnisse ?

Klares Nein ! Alles, was zwischen Mitarbeitenden und Betriebsarzt, bzw. Betriebsarztmitarbeitenden besprochen wird sowie sämtliche Befunde, fallen unter die ärztliche Schweigepflicht. Jeder Mitarbeiter erhält nach der Untersuchung eine Bescheinigung mit dem Untersuchungsergebnis, bei Pflichtvorsorgen auch der Arbeitgeber. Sollten individuelle Untersuchungsergebnisse bedeutsam werden, z.B. bei Neuschaffung oder Umgestaltung von Arbeitsplätzen, muss dem Betriebsarzt eine schriftliche Entbindung des Mitarbeitenden von der Schweigepflicht vorliegen.

4. Wann findet arbeitsmedizinische Vorsorge statt ?

Arbeitsmedizinische Vorsorge soll während der Arbeitszeit erfolgen. Pflicht- und Angebotsvorsorgen finden vor Aufnahme bestimmter Tätigkeiten und anschließend in regelmäßigen Abständen statt. Je nach Tätigkeit bestehen unterschiedliche Fristen bis zur nächsten arbeitsmedizinischen Vorsorge. Der Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed) hat hierzu eine Arbeitsmedizinische Regel erarbeitet, die auf den Internetseiten des AfAMed abgerufen werden kann (http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Ausschuesse/AfAMed/aus-dem-AfAMed.html).

5. Kann mein Hausarzt oder ein Arzt mit beliebiger Qualifikation mit der arbeitsmedizinischen Vorsorge beauftragt werden ?

Nein, es muss grundsätzlich ein Arzt nach § 7 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) sein. Das heiß, sie/er muss die arbeitsmedizinischen Qualifikationen nach § 7 Absatz 1 ArbMedVV (Facharzt für Arbeitsmedizin oder Zusatzqualifikation Betriebsmedizin) erfüllen oder es muss eine Ausnahme der zuständigen Behörde nach § 7 Absatz 2 ArbMedVV vorliegen. Die Landesärztekammern führen Listen über alle ärztlichen Qualifikationen und organisieren/überwachen die Weiterbildung.

6. Was geschieht, wenn die/der Beschäftigte oder der Arbeitgeber mit dem Ergebnis der Auswertung einer arbeitsmedizinischen Vorsorge nicht einverstanden ist?

Kann über die Auswertung einer arbeitsmedizinischen Vorsorge, insbesondere die daraus abgeleitete Maßnahme des Arbeitsschutzes, keine Einigung erzielt werden, so entscheidet auf Antrag die zuständige Arbeitsschutzbehörde des jeweilig zuständigen Bundeslandes (in aller Regel der Gewerbearzt) nach § 8 Absatz 3 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). In solchen Fällen empfiehlt es sich, sowohl den Arbeitgeber oder seine Vertreter und die Beschäftigtenvertretung einzubeziehen. Die für den medizinischen Arbeitsschutz zuständige Stelle kann - wenn nötig - zu Lasten des Arbeitgebers zusätzliche Untersuchungen oder Gutachten in Auftrag geben.

7. Hat der Arbeitgeber im Rahmen der Angebots- oder Wunschvorsorge auch Impfungen anzubieten ?

Dies ist eine Frage des Einzelfalls und kann nicht pauschal beantwortet werden. Nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) hat der Arbeitgeber auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung für eine angemessene arbeitsmedizinische Vorsorge zu sorgen. Impfungen sind Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Der Arzt hat sie dem Beschäftigten im Rahmen einer durchgeführten Vorsorge anzubieten, soweit das Risiko einer Infektion tätigkeitsbedingt und um Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöht ist.

8. Müssen Beschäftigte sich impfen lassen?

Nein, in Deutschland besteht grundsätzlich keine Impfpflicht. Das Infektionsschutzgesetz sieht nur für besondere Fälle vor, dass Impfungen vorgeschrieben werden können. Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) kennt deshalb das Impfangebot. Beschäftigte können deshalb - ohne Rechtsfolgen oder Nachteile befürchten zu müssen - das Impfangebot annehmen oder ablehnen. Lehnen Beschäftigte die Annahme eines Impfangebots ab, ist dies für den Arzt allein kein Grund, nicht ausreichende Maßnahmen des Arbeitsschutzes oder einen Tätigkeitswechsel anzunehmen.